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Buchbesprechung: »Vegan-Küche« Kochbuch von Brigitta Klingel »Wenn wir die drei [vegetarischen] Gruppen in einer Pyramide darstellen, würde als breite Basis die ovo-lakto-vegetabile Ernährungsform stehen, mit dem ganzen Reichtum an Gerichten einschließlich Ei- und Milcherzeugnisse (sic). Etwas schmaler, aber noch immer reichhaltig ist das Angebot bei der lakto-vegetabilen Ernährung. Die Spitze der Pyramide nimmt die Veganküche ein. Da wird es eng, was die Auswahl angeht. Denn hier gilt: Es werden konsequent nur rein pflanzliche Lebensmittel verwendet - und sonst gar nichts.« Ein Auszug aus einer Broschüre der deutschen Milchwirtschaft? Nein, diese Passage stammt aus einem Buch mit dem Titel »Vegan-Küche«.
Die Autorin definiert zunächst die vegane Ernährung und verwendet dabei die obige Textpassage. Anschließend stellt sie die gesundheitlichen Vorteile der veganen und vegetarischen Ernährung dar, die in zahlreichen Studien dokumentiert seien. Unter der Überschrift »Von den Hindus lernen« folgt ein kurzer Abschnitt zur Motivation von Veganern und Vegetariern: »Die Beweggründe für eine vegetarische Lebensweise sind nicht nur religiöse oder wirtschaftlich-finanzielle, sondern vor allem gesundheitliche Aspekte und das Bedürfnis, etwas für die Umwelt und die Welternährungslage zu tun... Im Vordergrund steht die Gesundheit.« Neben der Vermeidung von Alkohol und Nikotin gehört zu einer gesunden Lebensweise nach Ansicht der Autorin auch die »regelmäßige Entspannung durch entsprechende Atemübungen, Kneippen, Saunen oder Meditieren«. Die folgenden Seiten erläutern sehr detailliert zahlreiche Bestandteile der Ernährung wie Eiweiß, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe usw. Die Autorin vertritt in diesem Abschnitt die inzwischen widerlegte These, für eine gesunde Ernährung sei die sorgfältige Kombination verschiedener Eiweiße notwendig. Nach einer kurzen Warenkunde enthält der Hauptteil des Buches mit rund 65 Seiten vegane Rezepte aus aller Welt (Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, England, Russland, China, Indonesien, Indien, Südafrika, Nordamerika und Mexiko). Ein Kapitel enthält »herzhafte, deftige Hauptgerichte« und ist den »Gourmets unter den Veganern« gewidmet. Kapitel zu Schnellgerichten und Suppen, zu Saucen, Marinaden und Dips, Bratlingen sowie Kuchen, Torten und Süßigkeiten schließen den Rezeptbereich ab. Hier eine kleine Auswahl:
Gerade auf den ersten Seiten des Buches findet sich der Leser von einem irritierenden Sprachstil mit holprigen Formulierungen befremdet. Im Verlauf des Buches wechselt dann zwischendurch das Adjektiv - aus »vegan« wird »veganisch«. Selbst von Tautologien bleibt man nicht verschont: »Obwohl Bio- und Reformhauswaren exakt gekennzeichnet sind, sollte man - als Veganer - auch bei ovo-lakto- und lakto-vegetarischen Produkten auf tierische Zusätze achten.« Im kurzen Abschnitt über die Motivation einer veganen Lebensweise projeziert die Autorin kurzerhand ihre eigenen Vorstellungen auf die Gesamtgruppe der Veganer. Dass es Menschen gibt, die sich aufgrund ihrer ethischen Verantwortung gegenüber Tieren vegan ernähren, scheint nicht erwähnenswert - was sie jedoch nicht daran hindert, zwei Seiten entfernt ohne weitere Erläuterung in einer Bildunterschrift zu behaupten: »Menschen, die sich rein vegan ernähren, sind generell gegen Missbrauch (sic!) von Tieren.« Es wäre interessant gewesen, sich selbst einen Überblick über die zahlreichen Studien zu verschaffen, auf die ohne weitere Angaben Bezug genommen wird. Doch dieser Wunsch bleibt unerfüllt, denn die drei Posten in der Literaturliste (»Geheimarchiv der Ernährungslehre«, »Heilende Meditation« und »Produktliste Milch-/Eifreie Produkte«) bieten wohl kaum solche Inhalte. Die ausführlichen und langatmigen Darstellungen über Mineralstoffe, Vitamine und co. sollen hier nicht diskutiert werden. Es entsteht jedoch allein schon aufgrund der vielen Wiederholungen der trivialen Aussage, Veganer müssten den jeweils behandelten Stoff ausschließlich aus Pflanzen aufnehmen, der Eindruck, dass lediglich diese die angesprochenen Risiken beachten müssten. Dass das nicht der Fall ist, macht ja schon das Beispiel der Jodmangelversorgung deutlich, der ganz allgemein durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz begegnet werden sollte.
Wenn man die einleitenden Kapitel und damit rund ein Drittel des Buches überblättert, erhält man ein ganz angenehmes Kochbuch. Die Rezepte sind sorgfältig zusammengestellt und mit Zutatenlisten und numerierten Arbeitsschritten klar gegliedert. Sie erscheinen solide und gut nachvollziebar. Vorschläge für Beilagen fehlen ebensowenig wie Angaben zur ungefähren Zubereitungszeit. Zu einem positiven Eindruck tragen auch die perfekten Fotografien und das gute Layout im gesamten Buch bei. Allerdings wird auch hier wieder der Spaß getrübt - durch eingestreute Lebensweisheiten wie dem guten Rat, sich vor dem Kochen erstmal »fünf Minuten gemütlich hinzusetzen« oder anbiedernde Auflockerungsversuche nach dem Motto »Löffeln Sie genüsslich Ihre Suppe aus!«.
Die Rezeptsammlung ist umfangreich und sorgfältig erstellt, doch das »Drumherum« verdirbt gründlich das Vergnügen.
Matthias Boller
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| © coronis - 2001 | |||||||||||||||||||