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Filmkritik: »Hennen rennen« Im neusten Film von Nick Park, dem Schöpfer der legendären Knetfiguren Wallace und Gromit, gelingt gequälten Legehennen eine dramatische Flucht in die Freiheit. Für manche Veganer Grund zur Hoffnung: Können die Knethühner innerhalb von 91 Minuten und 118.080 Szenen hartgesottenen Konsumenten ein wenig Kritik am System der Tiernutzung nahe bringen? In einer Farm in Yorkshire leben die Helden des Films. Hinter Stacheldraht, Tag und Nacht bewacht vom bewaffneten Farmer Mr. Tweedy und scharfgemachten Wachhunden, denen der Wahnsinn in den Augen geschrieben steht. Ihre Behausungen aus Wellblech sehen so aus wie in den bekannten Lagerfilmen mit menschlichen Darstellern - ärmliche, nummerierte Verschläge mit kargen Etagenpritschen. Wenn die Glocke zum Zählappell schrillt, macht sich Panik breit, denn wer keine Eier legt, verliert den Kopf durch das Hackbeil von Mrs. Tweedy. Aus der Masse der Hennen hebt sich die engagierte Ginger hervor. Sie träumt von einer besseren Zukunft hinter dem nächsten Hügel - ohne Bauer, ohne Stacheldraht und ohne Eierlegen in Todesangst, dafür mit echtem »grünen Gras« unter den Füßen. Sie kann das Lager problemlos alleine verlassen - doch sie möchte allen ihren Lagergenossinnen und einem alten Hahn ein gemeinsames Entkommen ermöglichen. Das erscheint unmöglich, und zahllose Fluchtversuche scheitern kläglich. Eines Tages fällt ein strahlender Held in Gestalt des Hahns Rocky vom Himmel. Er verspricht, den Hennen das Fliegen beizubringen, genießt stattdessen aber lieber das Leben als Hahn unter Hennen. Als eine Schlachtmaschine aufgebaut wird und die Hühnerfarm in eine Pastetenfabrik verwandelt werden soll, droht das kollektive Ende. Nun muss endlich ein guter Fluchtplan her... Das Werk von Peter Lord und Nick wird allseits hoch gelobt. Das Resultat der mühseligen Handarbeit mit der Knetmasse ist tatsächlich detailreich, raffiniert und witzig. Der Plot ist altbekannt, hält sich aber meist über Wasser und macht jedenfalls dem jugendlichen Publikum Freude. Stimmen wie die von Mel Gibson in der Originalfassung und Ingolf Lück in der deutschen Version verleihen dem Werk Popularität. Die Kinobesucher und die Macher haben also ihren Spaß. Doch gibt es auch eine Botschaft im Interesse der echten Legehennen? Der Zuschauer erlebt, wie die Hennen beim Zählappell zittern, wie sie nach der Köpfung ihrer »ineffizienten« Kollegin verzweifeln und wie Heldin Ginger im Fließband der Schlachtmaschine kopfüber mit festgeschnallten Beinen auf die rotierenden Schlachtermessern zuschwebt. Doch die Botschaft, die ein Veganer zu erhoffen wagen könnte, sieht nur, wer sie sehen möchte. Die Knet-Hennen sind fast alle dick und rund, haben statt Flügeln fast menschlich anmutende Arme mit Simpson-ähnlichen Fingern und kommen den ausgemergelten Insassen »echter« Legebatterien auch nicht entfernt nahe. Und bis auf Ginger und Rocky sind sie schicksalsergeben und ziemlich dumm und dienen hauptsächlich der Darstellung von Gags. So kommt bei ihrem Anblick kaum ein kritischer Gedanke an die Realität der industriellen Tiernutzung auf. Wenn in der surrealen Athmosphäre des Internierungslagers die Hennen bei ihren Fluchtversuchen an der eigenen Tollpatschigkeit scheitern, lacht das Publikum vergnügt auf, und wenn eine Henne sich statt eines Pullovers einen Strick strickt, wird auch das als Teil des Entertainments dankbar angenommen. Man kann sich fragen, ob der Film statt kleine Denkanstöße nicht eher billige Scherze über Milliarden gequälter Tiere enthält. Natürlich wäre es für die Macher problematisch gewesen, den potentiellen Kassenhit mit einem ernsthaften Plädoyer für die Rechte der Tiere zu versehen. Doch in einem solchen Konflikt standen sie gar nicht. Nick Park erzählt zwar dem Time Magazine von seiner Kindheit im ländlichen Lancashire, seinem guten Verhältnis zu den Haushühnern und »schrecklichen« Erlebnissen im Schlachthof. Doch gemeinsam mit Partner Lord produzierte der vermeintliche Tierschützer flugs einen passenden, lukrativen Werbefilm für Burger King unter dem Slogan »Save the chickens! Eat more beef« (»Verschont die Hühner - esst mehr Rindfleisch«). Als Trost bleibt, dass Burger King daran keine rechte Freude hat - die Kette musste sich inzwischen auf einen Vergleich mit dem Konkurrenten »Chick-Fil-A« einlassen. Für den hatten vor ein paar Jahren Kühe geworben, die zum Konsum von mehr Hühnerfleisch aufforderten.
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| © coronis - 2001 | |||||||||||||||||||